Beckett bei Beckett

Während der documenta 14 veranstaltet die Beckett-Gesellschaft jeden Mittwoch in Becketts Biergarten eine (kurze) Lesung mit Texten von Samuel Beckett. Es wird jeweils der Originaltext und dann die Übersetzung gelesen.

Auftakt am Mittwoch, den 28. Juli, um 17 Uhr. Helen MacCormac liest „Love and Lethe“ und Peer Schröder „Von Liebe und Lethe“.

Eintritt frei

Ort: „Becketts Biergarten“, Friedrichsplatz, gegenüber Fridericianum, Kassel.

Veranstalter: Samuel Beckett Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit dem Wirt Brendan Kennedy.

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Buchtipp: Neue Studie zu Kafkas Prozeß

Der Autor Christian Kurze hat eine sehr empfehlenswerte Studie vorgelegt, die jetzt im Kadmos-Verlag erschienen ist. Titel: „Kafkas Proceß und die Satellitentexte – Verborgene Verbindungen zwischen Romantext und weiterer Prosa der Proceßzeit“ (192 Seiten/ 12×19 cm/ gebunden/ 19,90 Euro)

Nachfolgend ein Interview, das ich mit dem Autor am 31.5.17 geführt habe:

Was gab Ihrer Studie den ersten Impuls?
Die Idee ist während meiner Studienzeit an der Uni Braunschweig entstanden. Die Anregung kam während eines Kafka-Oberseminars von Prof. Jost Schillemeit, der einigen als Mitherausgeber der Kritischen Kafka-Ausgabe bekannt sein dürfte. Wir sprachen über die Strafkolonie, die im gleichen Zeitraum wie der Proceßroman entstand und die ganz offensichtliche Querverbindungen zum Roman aufweist. Zu untersuchen, ob dies eine singuläre Zufälligkeit ist, oder ob sich hier ein Kompositionsprinzip versteckt, war sozusagen die Geburtsstunde meines Büchleins.

Der eigentümliche, hochinteressante Kompositionsverlauf bei der Entstehung des Proceßromans ist bekannt: Kafka hatte das erste und letzte Kapitel bereits zu Beginn der Niederschrift verfasst, um ein Fragmentbleiben des Romans wie beim ‚Verschollenen“ zu verhindern. Worauf bzw. auf welche andere Auffälligkeit fokussiert sich Ihre vorgelegte Studie?
Wie schon eben angedeutet, geht es mir darum, den Entstehungsprozess des Romans unter die Lupe zu nehmen. Während der Romanentstehung von August 1914 bis Januar 1915 entsteht nämlich nicht nur In der Strafkolonie, sondern zahlreiche weitere Erzähltexte wie z.B. Der Dorfschullehrer, Erinnerungen an die Kaldabahn oder Der Unterstaatsanwalt, die auf den ersten Blick vermeintlich kafkatypisch rätselhaft und unverständlich daherkommen. Auf diese parallel zur Romanentstehung niedergeschriebenen Texte und ihre Bezüge zum Roman richtet sich mein Blick.

Was konnten Sie dabei herausfinden?
Ich habe mir angeschaut, zu welchem Zeitpunkt der Romanentstehung (welches Kapitel, welche Textstelle) welcher Paralleltext entsteht und konnte dadurch plötzlich erkennen, dass diese Texte in einem unmittelbaren Zusammenhang zum Proceßroman stehen: Einige fungieren als metaphorisch verschlüsselte Kommentare Kafkas zum Inhalt des Romans oder reflektieren den aktuellen Moment der Romanentstehung. Andere dienen als produktionsästhetische Steigbügel, die Kafka nach einer Schreibhemmung die Weiterarbeit am Roman ermöglichen sollten. Für diese Paralleltexte habe ich den bildhaften Begriff „Satellitentexte“ gewählt, da sie quasi wie Satelliten mit dem Roman verbunden in dessen Umlaufbahn kreisen.

Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Gründe, dass Kafka sich mit Romanen schwertat? Er ging ja bzgl. des Proceßromans offensichtlich mit den Satellitentexten Umwege bzw. benötigte diese um überhaupt diesen Roman zu beginnen und fortzusetzen?
Kafka schrieb an drei großen Romanen, alle blieben unvollendet. Das ist kein Zufall, sondern hat ursächlich mit den Glückensbedingungen seines Schreibens zu tun, denen er sich seit der Niederschrift des Urteils im Jahr 1912 sehr wohl bewusst war. ‚Wie eine Geburt‘ müsse ein Text aus ihm herauskommen und dann ‚in einem Zuge‘ niedergeschrieben werden. Die Forderung an einen gleichsam inspiratorischen und vor allem ununterbrochenen Schreibvorgang war beim Niederschreiben eines Romans jedoch unerfüllbar. Hier – und das ist meine These – bediente er sich nun des Tricks, mit Hilfe der Satellitentexte immer wieder von Neuem Zugang zur Romanniederschrift zu erhalten, trotz unabdingbarer Unterbrechungen durch Schlaf oder Beruf.

Kann man vermuten, dass es Analogien bzw. Satellitentexte auch zu Kafka letztem Roman Das Schloß gibt?
Unbedingt! Kafka schreibt am Schloß von Januar bis August 1922. Ebenfalls in dieser Zeit entstehen u.a. die beiden bekannten Erzählungen Erstes Leid und Ein Hungerkünstler, die Kafka übrigens beide für Wert hielt, noch zu Lebzeiten zu veröffentlichen. Erstes Leid handelt von einem Trapezkünstler, der für die erfolgreiche Ausübung seiner Kunst stets das Turnen auf einem zweiten Trapez benötigt. Ein sinnfälligeres Bekenntnis zur produktionsästhetischen Notwendigkeit der Niederschrift von Satellitentexten kann es kaum geben. Gut möglich sogar, dass Kafka sich mit Erstes Leid gerade diese Notwendigkeit, die bei der Niederschrift des Proceß ja recht erfolgreich war, für den Fortgang der Arbeit am Schloßroman in Erinnerung rufen wollte…

 

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documenta 14: Harding/Beckett

Die documenta 14 gründet sich in Athen und Kassel auf verschiedenen wichtigen institutionellen Partnerschaften. Jede dieser individuellen Beziehungen mit den jeweiligen Institutionen – und den Menschen, die sie ausmachen – mündet in einer spezifischen Programmarbeit, Recherche, und gemeinsamen Projekten. Die Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen wendet sich hin zu einer öffentlichen Sphäre die ausschlussfrei und definiert durch Begegnungen und Möglichkeiten ist – eine öffentliche Sphäre, in Raum und Zeit.

Im Rizaris-Park greift David Harding  zwei Zeilen aus Samuel Becketts Gedicht „Cascando“ (1936) auf, um die Sehnsuchtslinien des Parks zu markieren: „If you do not love me I shall not be loved / If I do not love you I shall not love.“ (2017, Betonplatten und Bronzebuchstaben)

Quellen: 1, 2 (Fotos)

Hinweis auf ein weiteres Werk Hardings: Portrait of Samuel Beckett (from a Photograph by Jane Bown), 2016, Grafit auf Papier, 30 x 21 cm

 

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Buchempfehlungen

1. Excess and Reduction in Samuel Beckett, Raffaella Cantillo, LAP LAMBERT Academic Publishing (2016), 256 Seiten, Taschenbuch 55,90 Euro

This book is the outcome of many years of study in the field of Beckett studies, collating research taken from my three dissertations (MA, MPhil, PhD) on Samuel Beckett’s oeuvre. It is focussed primarily on his early years and it seeks to trace elements of those early steps throughout Beckett’s further works. I am of course indebted to Prof. Pilling’s formidable supervision at Reading University and to the resources made available to the University by the BIF (UK).

2. Samuel Beckett and Cinema (Serie: Historicizing Modernism), Anthony Paraskeva,  Bloomsbury 3PL (2017), 202 Seiten, Hardcover 80 Pfund, ebook (Kindle) 53,99 Pfund

This book is the first book to examine comprehensively the full extent of Beckett’s engagement with cinema and its influence on his work for stage and screen. The book situates Beckett within the context of first and second wave modernist filmmaking, including the work of figures such as Vertov, Keaton, Lang, Epstein, Flaherty, Dreyer, Godard, Bresson, Resnais, Duras, Rogosin and Hitchcock.

und: Ein älteres Buch – für Beckettianer ein Muss; sehr empfehlenswert:

3. Beckett (Das Begehren ist nicht totzukriegen), Alain Badiou, diaphanes Verlag 2006, aus dem Französischen von Heinz Jatho (Beckett. L’increvable desir), 14,95 Euro

Das gängige Beckett-Klischee des dunklen Existentialisten, die stereotyp wiederholte Ästhetik des Negativen hebelt Badiou aus und entdeckt zentrale Aspekte des Schönen, tiefverwurzelte Motive der Liebe und einen sehr präzisen Wahrheitsbegriff.

 

 

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Aktuelles von der Deutschen Kafka-Gesellschaft (DKG)

1. Die DKG ist in der Planungsphase für ein neues Format, das unter dem Titel ‚Kafka macht Schule‘ in diesem Jahr als Pilotprojekt geplant ist. Die Idee ist es, in einer Art eintägigen Lehrerfortbildung den Dialog von Schule und Wissenschaft zu befördern und vielleicht gemeinsam den ein oder anderen Unterrichtsentwurf zu erarbeiten, um den meistgelesenen Autor an Schulen wissenschaftlich noch differenzierter in den Unterricht einbringen zu können. Wenn sich das Projekt bewährt, dann soll es fortan regelmäßig im 2-Jahres-Turnus stattfinden und nicht nur auf Bayern begrenzt bleiben – alle Deutschlehrerinnen und -lehrer der DKG sind also gefragt!

2. Die DKG beteiligt sich gerade finanziell und ideell an einem Filmprojekt der Medien-hochschule Stuttgart. Dort wird derzeit ein 360°-Virtual-Reality-Film über Kafkas ‚Die Verwandlung‘ gedreht. Der fertige Film wird voraussichtlich ab Mitte des Jahres zu sehen sein. Es wird darüber informiert, wo ‚Kafkas Verwandlung 360°‘ zu sehen sein wird.

3. Der Band ‚Kafkas China‘ ist bereits in der Endredaktion. Er versammelt die Beiträge aus der Jahrestagung 2016 in Erlangen. ‚Kafkas China‘ ist bereits der 5. Band aus der Schriftenreihe „Forschungen der Deutschen Kafka-Gesellschaft“. Voraussichtliches Erscheinungsdatum: September 2017.  Verlag: Königshausen & Neumann.

Mehr zur DKG, siehe Links

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Samuel Beckett Collection; University of Reading

The Beckett Collection is the world’s largest collection of resources relating to Samuel Beckett (1906-1989). It has been recognised as being of national and international importance by the Museums, Libraries and Archives Council.
Its contents include:

. over 600 manuscript, typescript and photocopied typescript items of original Beckett material, including manuscript drafts, annotated copies and corrected copies. There are also manuscript notebooks containing a wide variety of material, including the notebooks for Beckett’s first novel, Murphy. Please note that surrogate copies, not originals, are normally made available for consultation
. correspondence, including over 200 items of correspondence between Beckett and the scholar Ruby Cohn reference number BC MS 5100 [COH], around 120 items of correspondence between Beckett and the theatre designer Jocelyn Herbert reference number BC MS 5200 [HER], and over 70 items of correspondence between Beckett and his lover Pamela Mitchell reference number BC MS 5060 [MIT] in the late 1950s and 1960s
. stage files relating to over 680 productions of Beckett plays, each containing material such as programmes, publicity material, reviews etc.
. nearly 500 editions of Beckett’s work in more than 20 languages, most on open access in Room G7 at the Special Collections Service
. nearly 1000 critical and biographical works, most on open access in Room G7 at the Special Collections Service
. other printed material, including over 1500 offprints and photocopied articles on Beckett, around 170 journals and over 40 dissertations
. artwork, including framed works by Avigdor Arikha, Geer van Velde and Henri Hayden, presented to the collection by Beckett himself; designs for Beckett productions; and artists‘ illustrated books by Avigdor Arikha, H.M. Erhardt, Max Ernst, Sorel Etrog, Jasper Johns and William Hayter

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Publications: „Journal of Beckett Studies“ and „Samuel Beckett Today / Aujourd’hui“

Current and recently graduated postgraduate researchers can be found below:
Helen Bailey: ‚Spirituality & Music in the Works of Samuel Beckett‘
Michela Bariselli: ‚Samuel Beckett & Humour‘
Niamh Bowe: ‚Early Phenomenology and the aesthetics of suffering in Samuel Beckett’s non-prose work‘
Will Davies: ‚Beckett & Posthumanism‘
Antonio Gambacorta: ‚Beckett & the City‘
Matthew McFrederick: ‚A Historiography of London Productions of Samuel Beckett’s Drama‘
Sarah-Jane Scaife: ‚The Culturally Inscribed Body and Spaces of Performance in Samuel Beckett’s Theatre‘
Giovanna Vincenti: ‚Psycho-pathologies in James Joyce and Samuel Beckett‘

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Immer wieder Beckett … Aufführungen März/April 2017

Theater Duisburg, Endspiel, 23.4.

Thalia Theater Hamburg, Warten auf Godot, 18.4.

Deutsches Theater Berlin, Glückliche Tage, 22./23./28.4.

Berliner Ensemble, Warten auf Godot, 21.3.

Schauspielhaus Stuttgart (Kammertheater), Glückliche Tage, 7./8./11./12.4.

Landestheater Tübingen, Glückliche Tage, 22.3.

Schauspiel Theater Hof, Das letzte Band, 30.4.

Akademietheater Wien, Endspiel, 15.4.

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„Glückliche Tage“, Premiere im Kammertheater Stuttgart

Zur Premiere siehe Artikel „Apokalypse? Von wegen!“ von Nicole Golombek in den Stuttgarter Nachrichten vom 5.3.: hier

Die nachfolgenden Fotos von der Premiere am 3.3. sind von Conny Mirbach. Sie wurden uns zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Dafür besten Dank an das Schauspielhaus Stuttgart.

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„Glückliche Tage“ im Schauspielhaus Stuttgart

Im März/April wird das Beckettsche Stück , entstanden/beendet 1961, im Schauspielhaus (Kammertheater) insgesamt 12 mal aufgeführt. Premiere: 3.3., 20 Uhr.
Winnie und Willie vegetieren in der Einöde. Sie stehen am Ende einer Beziehung und am Ende einer Welt. Willie ist schwerhörig und bewegt sich nur noch kriechend voran. Winnie steckt bis zur Brust im Boden – ein weiblicher Torso. Vor der Gewissheit ihres Untergangs flüchtet sie in das rastlos zelebrierte Ritual banaler Betätigungen: in nutzlose Verrichtungen des Alltags und in ein absurdes Spiel mit Gegenständen, die ihren Sinn verloren haben. Ein tragikomisches Stück Weltliteratur und eine Nahaufnahme vom Ende der Zeit. 
 
Besetzung: Peer Oscar Musinowski, Franziska Walser
Regie: Armin Petras, Bühne: Kathrin Frosch, Kostüme: Cinzia Fossati, Video: Rebecca Riedel, Licht: Gregor Roth, Dramaturgie: Katrin Spira
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beckett@111 – Internationales Festival in Freiburg

In der Zeit vom 4.3.-11.3.2017 findet im E-Werk in Freiburg das Internationale Festival „beckett@111“ zum 111. Geburtstag Samuel Becketts statt.

Das Festival wurde von dem international arbeitenden polnischen Schriftsteller, Übersetzer und Theaterregisseur Marek Kedzierski konzipiert und in Zusammenarbeit mit Raimund Schall, Theater Zerberus entwickelt.

samuel.beckett@111 kombiniert Musik, Theater, Performance, Video- und Audiokunst, Installationen, Ausstellungen, Workshops, Lesungen und Diskussionen. Als Beitrag aus der Musik sind Originalkompositionen von Alwynne Pritchard (GB, Norwegen) und Mesias Maiguashca (Ecuador, BRD) in Arbeit. Das Theater kreist um die späten Stücke von Beckett, sie werden von Künstlern aus England, Frankreich, BRD, Italien, Norwegen, Schweden, Polen, USA, Jamaika mit ihren ursprünglichen „Akzenten“ gespielt. Es ist auch ein akademisches Rahmenprogramm in Vorbereitung.

Die Eintrittspreise sind moderat; teilweise freier Eintritt (z.B. am 9.3.: Gespräch mit Walter D. Asmus, dem Ehrengast des Festivals)

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