Aschaffenburg – Sie gehört zu den wichtigsten Porträtkünstlern des 20. Jahrhunderts, die 1908 in Berlin als Gisela Freund geborene, 2000 in Paris als Gisèle Freund gestorbene Soziologin, Kunsthistorikerin und Reporterin. Von Reinhold Gries
Hauptmedium der Adorno-Schülerin war die Fotografie, auch auf der Flucht vor dem NS-System in Frankreich, England, Argentinien und den USA. Neben Bildreportagen für „Life“ und „Time“ in den 30ern holte sie Schriftsteller, Künstler und Philosophen vor die Linse.
Nicht nur das macht den Reiz der sehenswerten Ausstellung in Aschaffenburgs Kunsthalle Jesuitenkirche aus. Unaufdringlich ist es Freund gelungen, Individualität freizulegen, ohne voyeuristisch zu sein. In sensibler Balance zwischen Vertrautheit und Distanz schuf sie Begegnungen, die wie Ruhe-Inseln wirken. Freunds subtile Tête-à-Têtes kommen ohne Retusche aus. Idole lernt der Betrachter jenseits der Maske kennen, oft in Schwarz-Weiß, ab 1938 auch in Farbe.
Beckett and the State of Ireland Conference
Irish Beckett – Global Beckett
University College Dublin
13-14 July 2012
Famous throughout civilised world and Irish Free State
Samuel Beckett, Murphy
Somewhere on the Ballyogan Road in lieu of nowhere in particular
Samuel Beckett, Company
Call for Papers
Samuel Beckett’s relationship to his native country continues to be one of the most exciting areas within Beckett studies, evident in the growing number of publications dealing with this concern and in the enthusiastic responses to this year’s UCD Beckett and the State of Ireland Conference and the inaugural Samuel Beckett Summer School held at Trinity College. Following the success of the 2011 conference, the organisers of Beckett and the State of Ireland are pleased to announce that the event will take place in 2012 on Friday July 13 and Saturday July 14.
This year’s conference demonstrated the richness and variety of work being undertaken in relation to the Irish Beckett, especially concerning Beckett’s Irish Protestant background, the role of Irish myth in Beckett’s work and the negotiation in the early texts of the political and social life of the Irish Free State. In the hope of developing these and other discussions, the organisers invite papers from graduate researchers and professional scholars concerning all facets of Beckett’s relationship to Ireland. A central objective of the conference is to facilitate an interface between understandings of Beckett in Irish studies and those which circulate in the Beckett community. In particular, we welcome papers which address how Beckett’s Irishness influences the international nature of his work.
Es war MIDNIGHT IN PARIS, zur gleichen Zeit war in MANHATTAN HARRY AUSSER SICH! Er lag im Bett und hatte sich schon tagelang auf die RADIO DAYS gefreut, die wie immer den Klassiker ALLES WAS SIE SCHON IMMER ÜBER SEX WISSEN WOLLTEN ABER BISHER NIE ZU FRAGEN WAGTEN als Auftakt ihres Hörspielmarathon brachten.
Doch daraus wurde nix. Im Wohnzimmer stritten sich seine beiden siamesischen Zwillinge MELINDA UND MELINDA, weil sie versuchten, ihr neues Cocktailkleid ohne Hilfe über ihre Köpfe zu ziehen. „Was ist hier los?“ schrie Harry. „Ach, schau einer an, DER STADTNEUROTIKER! WAS GIBTS NEUES PUSSY?“ „Hört sofort mit dem Lärm auf und ihr wisst, dass ich es hasse, wenn ihr mich so nennt.“ „MATCH POINT!“ jubelten beide und klatschten begeistert in in die Hände, was sie aus dem Gleichgewicht brachte und unsanft auf den Boden fallen ließ. „Macht euch nicht lächerlich, ihr seht aus wie zwei BULLETS OVER BROADWAY. Los, beeilt euch und macht dass ihr fortkommt, HANNAH UND IHRE SCHWESTERN holen euch gleich ab. Ich brauche meine Ruhe.
Er ging zurück in sein Schlafzimmer. Womit hatte er dass verdient? Er seufzte, und schnüffelte an seiner Liebslingsblume, der PURPLE ROSE OF KAIRO, die wie immer blühend auf seinem Nachtisch stand. Er schaute aus dem Fenster und sah sein Spiegelbild in der Glasscheibe. „Woody, alter Junge, du weisst doch: WHATEVER WORKS!!!
01. Dezember 1935! Allan Stewart Konigsberg aka Woody Allen wird geboren.Er wurde 21 (!!!) mal für den Oscar nominiert und erhielt die Auszeichnung dreimal. Er nahm die Auszeichnung nie persönlich entgegen.
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Simone Kremsberger (Redaktion) am 18. Oktober 2006
Samuel Beckett kam 1928 nach Wien, Werner Huber 2005. Während ersterer seinen Aufenthalt auf ein paar Wochen beschränkte, um seine Erlebnisse umso dauerhafter in seinen ersten Roman einfließen zu lassen, bleibt Beckett-Forscher Werner Huber dem Institut für Anglistik und Amerikanistik vorerst erhalten. Und erwartet von seinen Studierenden, ein Theaterstück ebenso „lesen“ zu können wie Fotos von Robbie Williams oder David Beckham als Stil-Ikonen und Phänomene der Popkultur. Am 25. Oktober hält Huber seine Antrittsvorlesung.
Seit einem Jahr hat Univ.-Prof. Dr. Werner Huber eine Professur für Englische und Amerikanische Sprache und Literatur an der Universität Wien inne. „Ich fühle mich gut aufgehoben in der Fakultät mit den anderen Philologien und Kulturwissenschaften“, betont der Anglist. Denn an der Technischen Universität Chemnitz, wo Huber zuvor lehrte, war Literaturwissenschaft ein beinah exotisches Fach: „Dort war das Klima von Maschinenbauern dominiert.“ Wien, so Huber, sei mit seinem Angebot an englischsprachigen Theatern, Kinos und Literaturveranstaltungen als Standort für die Anglistik optimal.Beckett und das Biografische
Und Wien ist für Huber als passionierten Beckett-Forscher doppelt interessant: Samuel Beckett hat 1928 eine Reise nach Wien unternommen und seine Erlebnisse in seinem ersten Roman „Dream of Fair to Middling Women“, auf Deutsch „Traum von mehr bis minder schönen Frauen“, einfließen lassen. Dieses Frühwerk, in dem Beckett mit Stilrichtungen und Formen experimentiert, war lange unter Verschluss und erschien erst 1992, drei Jahre nach dem Tod des Autors, in Buchform. Huber bezeichnet das Werk zwar als „pubertär“, doch: „Interessant ist, dass Beckett in diesem Roman sehr direkt von sich selbst erzählt, wohingegen er in seinem Hauptwerk losgelöst von der Welt und sich schreibt.“ Der Literaturwissenschafter untersucht das Verschwinden des Biografischen in Becketts Werk – und schließlich das Wiederauftauchen biografischer Aspekte in Form von Erinnerungen.
Irisches Drama in Wien
Von Beckett, den Huber vor allem als Dramatiker schätzt, ist der Weg zum Theater nicht weit. Werner Huber beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Drama – derzeit im Rahmen des groß angelegten FWF-Projekts „Weltbühne Wien“ unter der Leitung seines Kollegen Univ.-Prof. Dr. Ewald Mengel. Innerhalb des Forschungsprojekts, das die Aufnahme anglophoner Dramatiker auf Wiener Bühnen im 20. Jahrhundert zum Thema hat, untersucht Huber anhand von Rezensionen, Programmheften, Plakaten und Bühnenbildern die Rezeption des irischen Dramas in Wien.
Englisches Drama in London
Huber, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für das englischsprachige Theater und Drama der Gegenwart (CDE) ist, will auch seinen Studierenden das Theater näher bringen: Im Rahmen einer Lehrveranstaltung hat er im vergangenen Sommersemester mit 20 Studierenden eine Exkursion nach London unternommen, um gemeinsam Stücke zu sehen und die Theaterszene vor Ort zu erkunden. Für das kommende Sommersemester ist bereits eine Fortsetzung geplant.
Sprachbeherrschung und Textverstehen
Von seinen Wiener Studierenden, die er als „hervorragend sprachlich vorgebildet“ bezeichnet, erwartet Huber neben Sprachbeherrschung und Expertise für die englische Sprache und Kultur die Fähigkeit, Texte zu verstehen und analysieren zu können. Wobei „Text“ hier vieles heißen kann: ein Gedicht, ein Drama, ein Bild, ein Film.
„Culture Vultures“
Dabei hat er keine Scheu vor populären Themen. In einem von ihm edierten Sammelband zum Thema „Intermedialität“, der demnächst erscheint, geht es unter anderem um Simulation in der Filmtrilogie „The Matrix“ und Bezüge zwischen den „Simpsons“ und Edgar Allan Poe. Und das Cover seines Lehrveranstaltungs-Skripts zu „Cultural Studies“ zeigt Fotos von David Beckham und Robbie Williams – letzteren mit einem Tanga-Slip, auf dem der Union Jack prangt. Solche Bilder sollen die Studentinnen und Studenten ebenso „lesen“ können wie ein Theaterstück oder ein Sonett. Denn Kultur lauert überall. Vor allem in Wien. Und Hubers Studierende sollen richtige „Culture Vultures“ werden: Kulturgeier. (sk)
Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Dr. Werner Huber mit dem Titel „‚In a through horsebox to Wien‘ – Samuel Beckett, Wien und der autobiographische Pakt“ findet am Mittwoch, 25. Oktober 2006, um 17 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.
Buchtipp:
Werner Huber, Evelyne Keitel, Gunter Süß (Hg.), Intermedialities. Trier: WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier (erscheint Ende 2006).
Werner Huber is Professor of English and American Language and Literature. He received his Ph.D. from the University of Mainz and his ‘Habilitation’ from the University of Paderborn. Before moving to Vienna he taught at the universities of Paderborn, Tübingen, and Chemnitz. His research interests and publications are in the fields of Irish Studies, auto/biography, British Romanticism (esp. the Romantic-era novel), Samuel Beckett, contemporary theatre, and intermediality. He is President of the Society for Contemporary Theatre and Drama in English (CDE) and Vice-President (Europe) of the International Association for the Study of Irish Literatures (IASIL).
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Daß nur noch Fragen blieben bei aller Unentscheidbarkeit dessen, wie wir das, was wir wahrnehmen, beurteilen, ist allerdings irreführend, denn Beckett der große Doppeldeutige: er ist nicht nur ein Meister der Ambivalenzen und Ambiguitäten, sondern eben auch ein Meister des Apodiktischen, der radikalen Urteile. Dem Thema der Ausstellung im Kunsthaus Baselland (THE ART OF FAILURE) entspricht eine gerade erschienene Dissertation von Gesa Schubert „Die Kunst des Scheiterns“.
Ich frage mich, worin dieses Scheitern bestehen könnte? Ist es ein bestimmtes Scheitern, etwa in dem Sinne, wie wir es gerade (2007) in Kassel bezüglich der documenta erlebt haben?
Ai Wei Wei errichtete eine Skulptur aus alten chinesischen Tempeltüren, eine Skulptur, die beim ersten heftigen Windstoß in sich zusammenfällt. Die Auepavillons stehen unter Wasser, der Mohn erblüht nicht zur Eröffnung, das Reisfeld funktioniert nicht.
Ich glaube, bei Beckett geht es weniger um das Mißlingen von einzelnen Handlungen, sondern es geht um ein prinzipielles Scheitern, so wie es um jenes grundlegende Warten geht, um ein Warten an sich und nicht um ein Warten auf etwas Bestimmtes. Das Warten ist uns von Geburt an mitgegeben, wie der Zellstoffwechsel. Genauer gesagt: Das Warten und Scheitern war schon vor uns auf der Welt, es existierte bereits, noch bevor wir geboren wurden.
Die zutreffendste Antwort, was mit Scheitern gemeint ist, gibt Beckett selber, und zwar in seinem Essay über Proust. Dieser Essay enthält nicht nur Reflexionen über die „Suche nach der verlorenen Zeit“, sondern er ist Programm für das spätere Schreiben von Beckett selber. Becketts Werke sind, so meine These, radikalisierter Proust.
Ich komme mit den folgenden Zitaten auf meinen Ausgangspunkt zurück, auf die Erfahrung unglücklicher Liebe als differentia specifica einer allgemeineren Erfahrung, nämlich der, daß alles Lebendige, also nicht nur wir Menschen, daß alles Lebendige genetisch darauf angelegt ist, sich zu ergänzen, sich zu komplettieren, sich zu paaren, sich fortzupflanzen, um die jeweils eigene Gattung zu erhalten. Jeder für sich allein ist sich selbst immer zu wenig, daß in ihm angelegte Ver-langen, sein Hunger, seine Gier, seine Bedürfnisse und sein Streben sind auf narzißtische Befriedigung aus. Und dieses Streben, so Proust und Beckett, findet in der Dimension der Zeit statt. Deshalb unterliegen wir einem „perpetuum mobile der Desillusionen“; der Lebensprozeß ist ein fortschreitender Entzauberungs- und Deformationsprozeß, so daß das Trachten von gestern gül-tig war für unser gestriges Ich, nicht für das heutige.“ So „sind wir enttäuscht über die Nichtkeit dessen, was wir so gern das Erreichte nennen.“
Beckett fragt, was denn nun das Erreichte sei, und er formuliert seine Antwort in der Sprache der Philosophie, zu deren Topoi das Subjekt-Objekt-Verhältnis gehört, also das von Ich und Welt, wobei das Subjekt durchaus das Objekt eines anderen Subjekts sein kann und umgekehrt.
Beckett sagt (Zitat): „Aber was ist das Erreichte? Die Identität des Subjekts mit dem Objekt seines Verlangens. Das Subjekt ist unterwegs gestorben – vielleicht mehrmals. (…) Selbst angenommen, durch eines jener seltenen Wunder der Koinzidenz, wenn der Kalender der Tatsachen parallel mit dem Kalender der Gefühle verläuft, würde es sich verwirklichen, daß das Objekt des Verlangens (im engsten Sinne dieser Krankheit) vom Subjekt erreicht wird, dann wäre die Kongruenz so per-fekt und der Zeitstand des Erreichten eliminierte so genau den Zeitstand des Trachtens, daß das Unvermeidliche um so aktueller erschiene.“
Mit anderen Worten: Wenn man erreicht hat, was man sich wünschte, wird der Zustand der Erfüllung derart zur Gewohnheit, daß das einst heiß Begehrte rapide an Wert verliert. Das Ge-fühl des Mangels wird wieder dominant. Oder anschaulicher formuliert: Wenn Sie einen anderen berühren und in dieser Berührung verharren, ist nach einiger Zeit diese Berührung nicht mehr fühlbar, man muß sich bewegen, diese Berührung lösen, sie erneut herbeiführen, um sie wieder spüren zu können. Die unio mystica oder die Einheit von Subjekt und Objekt hebt die Bedin-gung der Wahrnehmung dieser Einheit auf. Es bedarf der Differenz oder der Nicht-Einheit, um Einheit zu erfahren.
Wir leben überwiegend im Zustand dieser Nicht-Einheit, ohne aber die ersehnte Identität mit dem Objekt zu erfahren. Beckett formuliert es anschaulich so: Wir befinden uns in der Position von Tantalus, mit dem Unterschied, daß wir uns bereit finden, Tantalusqualen zu erleiden.
Hier wird schon früh bei Beckett deutlich – er hat diesen Essay mit 25 jahren geschrieben, also in einem Alter, in dem der Durchschnittsmensch noch in einer Art geistiger und seelischer Pubertät sich befindet -, es wird schon beim jungen Beckett deutlich, daß er in der Kraft, das Negative zu ertragen, daß er in dieser Kraft die eigentlich menschliche Tugend sieht. Becketts Denken zielt aufs Ganze, darauf, „das Unsichtbare und Undenkbare“ Wirklichkeit werden zu lassen, bei gleichzeitiger Erkenntnis, daß „ jede bewußte, intellektuelle Anstrengung, das Unsichtbare und Undenkbare als Realität aufzustellen, vergeblich ist.“
Und was unser Bedürfnis nach Erfüllung in der Liebe oder einfach nur unsere Abhängigkeit in-nerhalb menschlicher Beziehungen betrifft, so stehen wir innerhalb einer Subjekt-Objekt-Konstellation, bei dem, so Beckett, das Objekt unseres Verlangens „von uns unabhängig ist“: „Subjekt und Objekt sind zwei voneinander getrennte und immanente Dynamismen, die durch kein System der Synchronisation verbunden sind.“
Liebe, die erwidert wird, findet sich bei Beckett entweder nur in der Erinnerung wie in „Krapp’s Last Tape“, sofern man da von erwiderter Liebe sprechen kann (eher vom Glück eines Augen-blicks), oder als Karikatur, wie in „Malone“, als Macman die Pflegerin Moll in einem Heim ken-nenlernt. Macman ist bereits durch sein hohes Alter impotent, und Moll hat ihr Klimakterium längst hinter sich. Sie paaren sich in einem Anstaltsbett, Macman faltet sein schlaffes Glied zu-sammen und schiebt es wie ein Kissen in die dafür vorgesehene Körperöffnung von Moll. Diese ruft dabei aus: „Ach, hätten wir uns doch vor sechzig Jahren getroffen.“ Doch kurze Zeit später spürt Macman, wie Moll sich ihm bereits wieder entzieht.
In dem Roman „Murphy“ sagt der ehemalige Lehrer des Protagonisten, ein gewisser Herr Neary, zu Murphy: „Die Gunst Miss Dwyers zu gewinnen (…), und sei es auch nur für eine knappe Stunde, würde mir unendlich gut tun.“
Beckett kommentiert: >Solcher Art war Nearys Liebe zu Miss Dwyer: diese liebt nicht Neary, sondern einen Fliegerleutnant Elliman, der jedoch Miss Farren liebt, welche einen Pfarrer Fitt liebt, der einen gewissen Hang zu einer Mrs. West hat, die allerdings Neary liebt<.
Ähnliches findet sich zum Schluß hin in Woody Allens Film „Love and Death“ (Die letzte Nacht des Boris Grustschenko):
Zwei Frauen unterhalten sich in einem Zimmer, sie sprechen langsam, elegisch, so, als ob sie gar nicht anwesend wären (ab 00:47):
It’s a very complicated situation,
cousin Sonja.
Ich befinde mich in einer sehr komplizierten Lage, liebe Kusine Sonja.
I’m in love with Alexei. He loves Alicia.
Ich liebe Alexei, er aber liebt Alicia.
Alicia’s having an affair with Lev.
Alicia wiederum hat eine Affäre mit Lev.
Lev loves Tatiana.
Lev hingegen liebt Tatjana.
Tatiana loves Simkin.
Tatjana liebt Simkin.
Simkin loves me.
Simkin liebt mich.
I love Simkin,
but in a different way than Alexei.
Ich liebe Simkin, aber auf eine andere Art als Alexei.
Alexei loves Tatiana like a sister.
Alexei liebt Tatjana wie eine Schwester.
Tatiana’s sister loves Trigorian
like a brother.
Tatjanas Schwester liebt Trigorian wie einen Bruder.
Trigorian’s brother
is having an affair with my sister,
who he likes physically,
but not spiritually.
Trigorians Bruder hat eine Affäre mit meiner
Schwester,die er körperlich, aber nicht geistig liebt.
Natasha, to love is to suffer.
Natasha, Lieben heißt Leiden.
To avoid suffering, one must not love.
Um Leiden zu vermeiden, darf man nicht Lieben.
But then one suffers from not loving.
Dann aber leidet man, weil man nicht liebt.
Therefore, to love is to suffer.
Deshalb ist Lieben Leiden.
Not to love is to suffer.
To suffer is to suffer.
Und Nicht-Lieben ist Leiden.
To be happy is to love.
To be happy, then, is to suffer,
but suffering makes one unhappy.
Therefore, to be unhappy one must love,
or love to suffer,
or suffer from too much happiness…
I hope you’re getting this down.
Ich möchte niemals heiraten,
ich möchte am liebsten vorher schon geschieden werden.
I never want to marry.
I just want to get divorced.
Was Martin Esslin über Beckett sagte, nämlich daß dieser die menschliche Realität bloßgelegt habe, bis auf die Knochen, könnte auch bedeuten – und Woody Allen ist hier ein weiterer Kronzeuge -, daß die conditio humana oder der Code unserer Existenz aus Paradoxien besteht, aus einem Fundus von Unmöglichkeiten und verzweifelten Bemühungen. Wie wir uns auch drehen und wenden, welchen Weg wir auch wählen, das Unglück ist, wie jener Igel im Märchen, immer schon da.
Kafka formuliert es in seiner Erzählung „Der Untergang des Dicken“ so:
»Was sollen unsere Lungen tun«, schrie ich, schrie, »atmen sie rasch, ersticken sie an sich, an innern Giften; atmen sie langsam ersticken sie an nicht atembarer Luft, an den empörten Dingen. Wenn sie aber ihr Tempo suchen wollen, gehn sie schon am Suchen zugrunde.«
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Allen: It’s quite a lovely Jackson Pollock, isn’t it?
Woman: Yes, it is.
Allen: What does it say to you?
Woman: It restates the negativeness of the universe, the hideos lonely emptiness of existence, nothingness, the predicament of man forced to live in a barren, godless eternity, like a tiny flame flickering in an immense void with nothing but waste, horror and degredation, forming a useless bleak, straigt jacket in a black absurd cosmos.
Allen: What are you doing saturday night?
Woman: Committing suicide.
Allen: What about friday night?
—————————————–
Allen: Ist das nicht ein herrlicher Jackson Pollock?
Girl: Ja, stimmt.
Er nimmt die Negativität des Universums wieder auf, die grauenhafte Einsamkeit und Leere der Existenz, unsere Nichtigkeit, das Dilemma des Menschen, der gezwungen ist, in einer kargen, gottlosen Ewigkeit zu leben, wie eine winzige Flamme, die in einer ungeheueren Leere in sich selbst erzittert und in der es nichts gibt außer Müll, Entsetzen und Erniedrigung, welche eine unütze, trostlose Zwangsjacke in einem schwarzen, sinnlosen Kosmos bilden.
Allen: Was machen Sie Samstag?
Girl: Ich begehe Selbstmord.
Allen; Wie wär’s dann mit Freitag Abend?
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Ein Blogger, mit dem ich mich verbunden fühle, heißt Roberto J. De Lapuente. Er betreibt den Blog namens >>ad sinistram<<. Als man ihm eine zu negative Sicht der Welt vorwarf, reagierte er darauf mit einem Text, den ich mit einem eigenen ergänzte, und zwar mit diesem (an dessen Ende wird per Link auf Robertos Artikel hingewiesen):
Der Geist „gewinnt seine Wahrheit nur, indem er in der absoluten Zerrissenheit sich selbst findet. Diese Macht ist er nicht als das Positive, welches von dem Negativen wegsieht, wie wenn wir von etwas sagen, dies ist nichts oder falsch, und nun, davon weg zu irgend etwas anderem übergehen; sondern er ist diese Macht nur, indem er dem Negativen ins Auge schaut, bei ihm verweilt.“ (Hegel)
Roberto J. De Lapuente macht sich heute (19. Juli 2009) Gedanken darüber, dass ihm „Leser“ seines Blogs vorwerfen, er sähe alles zu negativ. Dieser Vorwurf führt zu einem Grundproblem menschlichen Daseins, nämlich zu der Frage, wie wir dieses Dasein beurteilen? Helmut Kohl hat den Vergleich mit dem Wasserglas „erfunden“: Wenn es halb ist, nicht das Glas, sondern dessen Inhalt, wenn er also halb ist, ist es entweder halb voll oder halb leer. Mit dem Optimismus der HalbvollSicht kann man natürlich jede noch so marode Gegend in eine blühende Landschaft verwandeln. Der Kohl-ismus kann aber sehr schnell auch zynisch werden. Mir fällt da jenes Titelfoto eines Buches ein (oder war es ein Plakat von Staeck?), dass eine mit Schornsteinabgasen verpestete Gegend zeigte. Der Text dazu lautete: „Was wollt ihr denn, ihr lebt ja noch!“ Das heißt, so lange man noch lebt, ist „alles bestens“. Das Glas ist ja noch halb voll, wobei zumeist unterschlagen wird, zu fragen, wie lange das halbvolle Glas schon herumsteht. Bier wird nach einiger Zeit schal, Weißwein wird zu warm, Rotwein verduftet sich und so weiter. Ich will damit sagen, daß Problem von Halbvoll und Halbleer ist komplexer als der simple Vergleich uns glauben machen will.
Wer Roberto J. De Lapuente Negativität vorwirft, hat keine Ahnung von Literatur und Philosophie, insonderheit keine von Hegel, der Denken als negierende Kraft des Falschen „definierte“, und auch keine von Adorno, dessen „Minima Moralia“ ein Zitat von Ferdinand Kürnberger vorangestellt ist: „Das Leben lebt nicht.“ Zu den aphoristischen Denkern gehört Emil Cioran, der Bücher veröffentlicht hat mit Titeln wie „Auf dem Gipfel der Verzweiflung“ oder „Die verfehlte Schöpfung“. Unter den Schriftstellern ist Beckett wohl der größte Realist, über den Adorno sagte: „Trost findet man nur bei den Trostlosen“. Denn der Trostlose bestätigt einem die realitätsgerechte Wahrnehmung, was einen stärkt, während andere einen schwächen, indem sie versuchen, einem diese Wahrnehmung auszureden.
Wenn man sich die neoliberalen Mach(thab)er ansieht, heißen sie nun Madoff, Ackermann, Merkel, Hundt, Sarkozi, Berlusconi, um nur einige zu nennen, wenn man täglich lesen muss, mit welchem haarsträubenden Unsinn die Neoliberalen ihr falsches Leben rechtfertigen und den Betrogenen einzureden versuchen, dass ihre Menschlichkeit, ihre Gefühl für Gerechtigkeit Humanitätsduselei seien, dann kann man doch aufgrund der Tatsache, dass die Neoliberalen regieren, dass eine solche Regierung überhaupt möglich ist, nur von einer völlig verfehlten Schöpfung sprechen.